Taupunkt-Tabelle: Wandtemperatur und Schimmelrisiko

Bei 20 °C Raumtemperatur und 60 % relativer Luftfeuchte liegt der Taupunkt ungefähr bei 12,0 °C. Bereits bei rund 15,4 °C Oberflächentemperatur ergeben sich rechnerisch 80 % relative Feuchte an der Oberfläche. Das sind verschiedene Größen: Erhöhte Oberflächenfeuchte kann Schimmelwachstum begünstigen, bevor sichtbares Kondenswasser entsteht.

Eine einzelne Temperatur ist keine feste biologische Grenze. Ob und wie schnell Schimmel wächst, hängt unter anderem von Feuchte, Dauer, Temperatur und Material ab. Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts erläutert diese Zusammenhänge in Kapitel 1.2.3.

Berechnete Beispiele für typische Raumwerte

Raumtemperatur Relative Raumluftfeuchte Taupunkt Temperatur bei 80 % Oberflächenfeuchte
20 °C 50 % 9,3 °C 12,6 °C
20 °C 60 % 12,0 °C 15,4 °C
20 °C 70 % 14,4 °C 17,9 °C
18 °C 55 % 8,8 °C 12,2 °C
18 °C 65 % 11,3 °C 14,7 °C

Die Tabelle ist eine Rechenhilfe. Sie gilt näherungsweise bei gleichem Wasserdampf-Partialdruck in der Raumluft und unmittelbar vor der Oberfläche. Die letzte Spalte zeigt ein Vergleichsniveau und keine automatische Befallsdiagnose. Messunsicherheiten kommen zur Rundung der Werte hinzu.

So entsteht die Tabelle

Verwendet wird eine Magnus-Näherung über flüssigem Wasser mit a = 17,62 und b = 243,12 °C. Für die Zieltemperatur gilt:

g = ln(rF / rFZiel) + a × T / (b + T)

TZiel = b × g / (a − g)

T ist die Raumtemperatur in °C. rF ist die relative Raumluftfeuchte in Prozent; rFZiel beträgt 100 für den Taupunkt oder 80 für die letzte Tabellenspalte. ln bezeichnet den natürlichen Logarithmus. Die Ergebnisse werden auf eine Nachkommastelle gerundet. Die Tabelle beschreibt die oben aufgeführten Raumzustände; sie ist kein normativer Nachweis eines Bauteilaufbaus.

Raumklima und Oberfläche sinnvoll vergleichen

Erfasse Raumtemperatur und relative Luftfeuchte möglichst zeitgleich mit der Oberflächentemperatur. Dokumentiere Messort, Uhrzeit, Geräte und besondere Bedingungen wie ein geöffnetes Fenster. Wiederholte Messungen zeigen eher, ob eine Auffälligkeit anhält, als ein einzelner Momentwert.

Bei einem Infrarotthermometer bestimmen unter anderem Messabstand, Messfleck und Oberflächeneigenschaften, welchen Bereich du erfasst. Beachte die Anleitung und die Geräteeinstellung. Der sichtbare Zielpunkt bedeutet nicht, dass das Gerät nur diesen Punkt oder millimetergenau misst.

Was du bei auffälligen Werten tun kannst

Notiere wiederholt feuchte oder kalte Bereiche und prüfe mögliche Feuchtequellen. Lüften und Heizen müssen zu Nutzung, Wetter und Gebäude passen. Bei wiederkehrenden Auffälligkeiten oder sichtbarem Befall sollte die Ursache geklärt werden. Eine Innendämmung braucht eine fachgerechte Planung; aus einem Tabellenwert folgt keine Empfehlung für ein bestimmtes Plattensystem.

Kann Schimmel ohne Kondenswasser entstehen?

Ja. Für Wachstum kann eine dauerhaft erhöhte Oberflächenfeuchte ausreichen. Der Taupunkt beschreibt dagegen die Sättigung mit Wasserdampf. Beide Größen dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Beweist ein kalter Bereich eine Wärmebrücke?

Er ist ein Anlass für eine genauere Untersuchung. Ein einzelner Oberflächenwert erklärt den gesamten Wandaufbau und die Ursache noch nicht.

Zur Unterscheidung von Material- und Luftfeuchte: Feuchtigkeitswerte richtig einordnen. Dieser Beitrag enthält berechnete Beispiele und eine Quellenanalyse, keine eigene Schimmel- oder Gerätemessreihe.